|
Grindelwald
Zwei
unvergessliche Flugtage in mitten der Schweiz
sollten es werden. Die Wettermacher aber hatten
wenig Verständnis für unser Vorhaben
und so wurde die Reise frühzeitig um 2
Wochen verschoben. Mit einer ganz neuen Gruppenzusammenstellung
und einem viel versprechenden Wetterbericht
fuhren wir wieder voller Erwartungen in diese
hochalpine Region.
Fliegen
im Berner-Oberland, in Grindelwald, löst
bei mir einige Emotionen aus. Die Erwartungen
stiegen von Jahr zu Jahr, flogen wir doch jedes
Jahr Rekorde! Nachdem wir schon vor drei Jahren
die 3500-er Marke geknackt hatten und vor einem
Jahr diese Höhe wieder egalisieren konnten
und dazu Rundflüge unternahmen, welche
fast wie mit einem Motorflieger waren und dabei
grössere Touren über die Schynigenplatte,
das Schwarzhorn, die grosse und kleine Scheidegg
überflogen, dem Wetterhorn, dem Eiger und
anderen imposanten fast 4000-ern vorbei schwebten,
so war der Massstab dieses Jahr auch wieder
hoch.
Angefangen
hat mein Interesse für diese Region vor
fast 30 Jahren als ich mit Freunden vom Mönch
gestartet bin und zweimal in derselben Woche
den über 35 kg Delta hochgeschleppt hatte.
Die
Ausgangslage war denn auch nicht viel versprechend:
Temperaturen von über 32° C, die Nullgradgrenze
bei 4600 Meter und die Basishöhe von 4100
- 4500 Meter hiess, dass der Einstieg, wenn
überhaupt möglich, doch eher schwer
war!
Nun
reisten wir, wieder eine sehr gute Zusammensetzung
von Piloten- Innen, am frühen Montag nach
Grindelwald, trafen uns bei der Talstation der
Jungfraujoch-Bahn und begaben uns zu der Gondelbahn
First. Die Vorahnung bestätigte sich. Die
ersten Piloten soffen erwartungsgemäss
ab und so beschlossen wir noch etwas zuzuwarten.
Um 12.30 Uhr war es dann soweit wir starteten
einer nach dem andern.
Jeder
flog auf direktem Weg zum „Katapult“, dem einzigen
zuverlässigen Einstiegsschlauch und dann
startete der Flug mit Steigwerten von denen
jeder auch im Nachhinein noch träumen wird!
Steigwerte
von bis zu 10 Metern wurden da gemessen und
logischerweise muss man in solchen Konditionen
den Schirm auch entsprechend bändigen.
Weil die Berge in dieser Region fast 1500 Meter
höher sind als in der Ostschweiz, sind
solche Aufwinde auch sehr hilfreich, damit die
ersten 1000 – 1500 Meter schnell überwunden
werden können.
Nichts
für „Warmduscher“!
Der
Himmel über Grindelwald scheint doch etwas
höher zu sein, stiegen doch die meisten
über 3000 Meter und einige stiegen an die
Wolkenbasis bis 3750 Meter. Viele verliessen
den „Katapult“ freiwillig um nach ruhigeren
Aufwinden zu suchen, die gab es auch zuhauf.
Die Süd ausgerichteten Hänge entwickelten
allesamt phänomenale Auftriebe, während
die Nordseiten schon ab 12.30 Uhr völlig
ruhige und zuverlässige Steigwerte von
1 – 3 Meter/Sek. entwickelten. So war es ein
Genuss an der Eigernordwand zu kratzen und Höhe
zu machen. Warm war's selbst auf Höhen
von über 3000 Meter und so konnte man „unter
dem Wasserfall durchfliegen und sich kurz abkühlen“.
Ich
selber hatte wohl einen der besten Passagierflüge
überhaupt mit Gabriela, konnten wir doch
selbst zu zweit auf 3500 Meter hochsteigen,
weit über 2 Stunden fliegen und eine richtige
Rundreise um das ganze Tal fliegen und diesen
Flug mit einer Punktlandung abschliessen.
Die
Schirme waren nur noch als Farbpunkte auszumachen.
Unzählige weisse 4000er im Süden und
unzählige Seen im Norden. Jeder See hatte
je nach Temperatur seine eigene Farbe, fast
kitschig, von hellblau bist schwarz reichte
die Palette. Traumhaft, einzigartig und fast
unersättlich war diese Aussicht - nur begrenzt
durch die Krümmung der Erde!
Wer
so ein Panorama noch nie gesehen hat, kann sich
das auch kaum vorstellen! Auf jedem Riesenberg
sah man mindesten einen Gleitschirm als Punkt.
Sensationell, mega!!!
Für
den zweiten Tag wurde noch eine höhere
Basis vorausgesagt.
Beim
gemütlichen Abendessen wurden die Flüge
noch einmal analysiert und je später der
Abend, desto höher flogen sie weiter...
Die
durchschnittliche Flugzeit betrug etwas über
zwei Stunden, durchschnittliche Höhen um
3450 Meter und mit durchschnittlich weniger
als drei Klappern waren die Flüge doch
eher ruhig. Wir übernachteten wie immer
in einem gemütlichen Hotel.
Der
Morgenflug am 2. Tag war für die meisten
eine Wohltat. Wie auf Schienen gleiteten sie
dem Talboden zu und genossen diese Entspannung
sichtlich.
Die
Gruppe setzte sich zusammen aus Sepp Bilgery,
Willi Dalla Zanna, Ursula und Philipp Furter,
Paul Gerber mit Gabriela, Heinz Haunschild,
Urs König, Dani Schwander, Irene und André
Serena, Roger Müller, Barbara Bilger, Martina
Windler, Peter Monsch, Fredi Schäli und
Paul Fritschi.
Auch
der Thermikflug vom 2. Tag stand dem ersten
Flug in nichts nach. Kalt lief es mir den Rücken
runter als ich um das westliche Eck vom Eiger
rum flog und den Startplatz auf dem Mönch
sichtete. Was man doch alles im jugendlichen
Leichtsinn macht…
Begeistert
hat mit Peter Monsch, der mit seinem Antikschirm
mir auf Höhe Eigernordwand begegnete und
einen grandiosen Task setzte ebenso wie Roger
Müller, der mit einer Abflughöhe von
3750 Meter uns verliess über den Titlis,
Haldigrat bis nach Wolfenschiessen flog und
alle andern welche rundum zufrieden an diese
Reise zurückblicken werden.
Bis
bald in hohen Sphären...
Zur
neuen Reise im Berner-Oberland mit
Anmeldung.
Im
Fotoalbum sind noch viele weitere
tolle Momente verewigt. |